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Vladimir Sorokin

Das weiße Quadrat

»Herzlich willkommen zur Sendung »Das weiße Quadrat«. Heute steht bei uns das Thema Russland auf dem Programm. Unser großes, fantastisches und in mancher Hinsicht auch unberechenbares Land. Um die Staatsform geht es hier natürlich nicht. Jedes Kind weiß, dass Russland ein föderativer, demokratischer Staat ist, inklusive Präsident und Parlament. Aber was für eine Vorstellung ruft unser Land hervor? Womit kann man es vergleichen? Welche Assoziationen weckt es? Jeder hat da wohl sein eigenes Bild.« 
Diesen ersten Zeilen des neuen Werks von Vladimir Sorokin bleibt nur noch hinzuzufügen, dass es dem unter Hausarrest stehenden Regisseur Kirill Serebrennikow gewidmet ist. 

Aus dem Russischen von Christiane Körner.
Mit Zeichnungen von Ivan Razumov.

No. 17 | 172 Seiten mit zahlreichen zwei Farben (rot/schwarz)-Abbildungen, Hardcover 

Erscheint am 17.  September 2018

ISBN  978-3-945867-17-4

EUR 28,00


Pressestimmen

Sorokin vermag wie kaum ein anderer eine entmenschlichte, zu Stilmasken erstarrte oder orgiastisch zerfallende Sprache zur poetischen Zeitsignatur zu machen. Sein Stück, das der Moskauer Comiczeichner Ivan Razumov mit kongenialen Illustrationen ausgestattet hat, schildert ein neues IT-Mittelalter mit Fernsehshows als elaborierter Droge, deren Veranstalter Gewalteskalationen einkalkulieren, testen und kanalisieren. [...] Da »Quadrat« im russischen Drogenjargon das Wort für Dosis ist, verknüpft der Titel diese Sphäre mit Malewitschs malerischer Aussperrung der gegenständlichen Welt. [...] Die Regie dieses Zirkus nimmt das unerwartete Versuchsergebnis mit olympischer Heiterkeit zur Kenntnis, zitiert amüsiert die Schindung des Marsyas. Im retrofuturistischen Finale feiert Sorokin, der bekennt, er wäre eigentlich froh, wenn dieses Buch nicht hätte geschrieben werden müssen, die Figur des Alex aus Kubricks »Clockwork Orange«, der schon vor einem halben Jahrhundert wusste, wie es jetzt auch einige europäische Fußball-Ultras tun, dass »Horrorshow« nicht nur klingt
wie das russische Wort für gut (»choroscho«), sondern eigentlich sein Synonym ist.
— Frankfurter Allgemeine Zeitung
Sorokin liebt die Gegensätze, gerade weil er dann zeigen kann, wie sie doch immer miteinander verbunden sind und wie das eine aus dem anderen hervorgeht: Das Quadrat und der Ring, die glitzernde Hauptstadtwelt und graue Steppe, das Fernsehen als Droge für die Massen und die reale, den Talkshow-Gästen injizierte und sie mordlüstern stimmende Droge. Nicht zufällig steht das Wort Quadrat, wie Kerstin Holm bemerkt hat, im russischen Drogen-Jargon auch für »Dosis«.
— Süddeutschezeitung, Literatur